Kämpferische Selbstorganisation im Stadtteil – Die Initiative „Solidarisch in Gröpelingen“ stellte sich vor und der Diskussion

Ob Ärger mit Ämtern, Schikanen im Job, Probleme mit der Wohnungsbaugesellschaft, Missstände im Stadtteil: Viele Probleme haben viele Menschen mit vielen anderen in ihrer Nachbarschaft gemeinsam. Dass man sich dagegen auch gemeinsam wehren könnte, liegt nahe – und ist doch alles andere als selbstverständlich. Seit einigen Jahren wird vermehrt das Konzept der „Stadtteilgewerkschaft“ diskutiert und mancherorts inzwischen auch praktiziert. So in Gröpelingen, einem Stadtteil von Bremen mit etwa 36.000 Einwohnern. Hier hat die Initiative einen Anlaufpunkt geschaffen, um Menschen zusammenzubringen, die ein gemeinsames Interesse haben, sich gegen konkrete Missstände zur Wehr zu setzen oder konkrete Selbsthilfe – beispielsweise Sprachkurse – zu organisieren.

Auch wenn vielleicht der Begriff „Gewerkschaft“ im engsten Sinne einer branchen- und betriebsbasierten Organisierung von Lohnabhängigen nicht zutrifft – so ist es doch für uns ein spannendes Thema: Wie kommen wir mit einem Konzept kämpferischer Selbstorganisation aus der gesellschaftlichen Marginalität heraus? Wie finden Menschen zusammen und zum gemeinsamen Handeln? Wie kann eine Entwicklung von einer Initiativgruppe, die „den Stein ins Wasser wirft“, zu einer breiteren, selbsttragenden Bewegung befördert werden? Ist ein solcher selbstorganisiert-stadtteilbasierter Ansatz auch für Münster eine Perspektive?

Über 30 Besucher*innen aus Münster und dem Ruhrgebiet diskutierten diese Frage – im einem nur im engsten Wortsinne erhitzten Klima – fast zwei Stunden mit den drei Aktiven aus Gröpelingen – gefolgt von einem Konzert mit dem Liedermacher „Geigerzähler“ unter freiem Himmel. Ein spannender Abend!

30. Mai: There is power in the Union! – Info und Kultur in der Baracke

Am 30. Mai gibt es wieder einen Informations- und Kulturabend in der Baracke! Schwerpunkt dieses Mal: Soziale Kämpfe und Organisierung im Stadtteil

Wir haben Aktivist*innen der Initiative Solidarisch in Gröpelingen zu Gast und diskutieren zusammen mit der Gruppe Strategietreffen aus Münster das Konzept der Stadtteilgewerkschaft und Perspektiven kämpferischer Stadtteilarbeit in Münster. (Ab 19 Uhr – pünktlich!)

Danach beehren uns unser Berliner Genosse Geigerzähler und Sahara B. Gemeinsam machen sie in Berlin Kopfstand und anderswo Kopfstand-Export. (Ab ca. 21.30 Uhr) Und auch danach bleibt der FAU-Tresen für Gespräche und Getränke geöffnet. Eintritt gegen Spende nach Selbsteinschätzung.

Wir freuen uns auf spannende Diskussionen!

Mittwoch 18.4.: Selbstorganisiert kämpfen – Riders Unite! // Wir stellen die FAU und DeliverUnion vor

Die Arbeitswelt verändert sich – Für viele nicht zum Besseren: Unsichere Arbeitsverhältnisse, höherer Leistungsdruck durch digitale Überwachung und das Abwälzen von Risiken auf die Beschäftigten gehören zu den neuen Methoden der Ausbeutung. Solche Verschlechterungen zu verhindern wäre die Aufgabe von Gewerkschaften. Doch gerade die „großen“ unter ihnen tun sich sehr schwer, auf diese Entwicklungen wirksam zu reagieren. Doch es gibt auch Beispiele erfolgreicher Organisierung „von unten“ – und es gibt alternative Konzepte von gewerkschaftlicher Aktion.

DeliverUnion ist eine Kampagne von und für Fahrradkurier*innen, die Lieferdiensten wie Foodora und Deliveroo erträgliche Arbeitsbedingungen abtrotzen will. International vernetzt, schrill und kämpferisch erzeugten sie ein großes öffentliches Echo und erzwangen Gesprächsbereitschaft. Nun gilt es, dies in konkrete Verbesserungen umzusetzen. Unterstützung erhalten die Kurierfahrer*innen von Basisgewerkschaften. Selbstorganisiert kämpfen ist hier Prinzip: Das Sagen haben die Beschäftigten und keine Funktionäre in Gewerkschaftszentralen. In Deutschland ist die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union (FAU) u.a. Träger von DeliverUnion.

Wir stellen die FAU, ihren Ansatz und insbesondere DeliverUnion an diesem Abend in Wort und Bild vor. Hinterher besteht ausreichend Gelegenheit zur Diskussion und für Interessierte zum Kennenlernen!

Mittwoch, 18. April, 19.00 Uhr in der Baracke – ab 21.00 Uhr Offener Tresen der FAU Münsterland

7. März: Die 24-Stunden-Polin – Migrantische Carearbeiter*innen in Deutschland

Der demografische Wandel und unzureichende staatliche Leistungen sind Hauptursachen des so genannten „Pflegenotstands“. Dies resultiert in steigender Nachfrage an Arbeitskräften im Care-Bereich. Die „Unattraktivität“ der Fürsorgearbeit liegt einerseits an der unangemessenem Entlohnung, andererseits an dem niedrigen Status der Pflegeberufe (oder der Reproduktionsarbeit im allgemeinen), die meistens als „Frauendomäne“ angesehen werden, was zu ihrer mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung beiträgt. Im Endeffekt wird Carearbeit oft an Migrant*innen delegiert. Schätzungsweise gibt es 150.000 bis 500.000 „Care-Migrantinnen“, die in Deutschland „3C-Jobs“ ausüben („cleaning, cooking, caring“). Dabei sind die meistens aus Osteuropa stammenden Frauen in Haushalten in Deutschland oft irregulär beschäftigt, um vor allem ältere pflegebedürftige Menschen zu betreuen. Sie wohnen meistens in den Haushalten mit den Klient*innen, als 24 Stunden- „Live-in“-Arbeitskraft.

Dies ist Thema eines Vortrags und einer Fotoausstellung am 7. März ab 19 Uhr in der Baracke.

Auf Basis von biographisch-narrativen Interviews mit Care-Arbeiterinnen aus Polen wird ihre Lebens- und Arbeitssituation dargestellt. Neben den Strategien, die die Arbeiter*innen entwickelt haben um ihrer prekären Lage entgegenzuwirken, werden auch die dabei ausgelösten Emanzipationsprozesse besprochen. Der Vortrag wird mithilfe von Fotos illustriert, die polnische Pflegekräfte selbst im Alltag gemacht haben. (so dass in manchen Fällen sogar eine „Fotostory“ entsteht).

Anlässlich des Frauenkampftags 2018

Anschließend ab ca. 21.30 FAU-Tresen mit Gelegenheit zur Diskussion und zum Kennenlernen!

Arbeitsbedingungen in der Biobranche: Der Preis des guten Gewissens

Die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union als Ganze beschäftigt in den vergangenen Jahren immer wieder ein Thema, in dem Ethik vermeintlich eine große Rolle spielt. Von der Gründung der „Gewerkschaft Naturkost-Landwirtschaft-Lebensmittelindustrie“ in Hamburg, Protesten gegen die Lohndrückerei bei Denn‘s in Hannover, den „Madigen Rübchen“ in Berlin und bei weiteren kleinen Konflikten, geht es immer wieder um das Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit einer Bio-Branche, welche ihren Konsumenten gern das ökologische und soziale Image ihrer Produkte und Vertriebswege verkaufen möchte. Dabei ist nicht nur fraglich, wie „bio“ eigentlich Knoblauch aus China und Kartoffeln aus Ägypten sein sollen, sondern es steht auch fest, dass sich die Arbeitsbedingungen in dieser Branche durch eine immer weiter verstärkende Marktbereinigung zunehmend verschlechtern.

Verkauft wird vor allem ein gutes Gewissen

Von den Anfängen der Bio- und Naturkostläden hat sich die Branche weit entfernt. Durch Discounter und geringere Wachstumsraten kommt es zu einem zunehmenden Verdrängungswettbewerb durch große Ketten. Die fortschreitende Filialisierung und die sich im Durchschnitt vergrößernde Fläche der Bio-Märkte, die sich meistens in den Innenstädten befinden, sind klares Zeichen der wachsenden Nachfrage nach dem Bio-Sortiment. Der Bio-Trend hat auch den konventionellen Einzelhandel erobert, wobei Drogerien und Supermarktketten inzwischen mit konzerntypischen Eigenmarken auftreten. Aktuelle Marktstudien zeigen, dass es selbst für die Discounter im Lebensmitteleinzelhandel „umsatzschädigend“ ist, wenn sie keine Bio-Angebote im Sortiment haben. Parallel zum Wachstum der Anzahl großflächiger Bio-Märkte in den Großstädten werden kleine Naturkostläden in den Vororten – nicht selten aufgrund von Konkurs – geschlossen. Im Jahre 2016 standen 110 Neueröffnungen im Naturkostfachhandel 84 Schließungen gegenüber. Die Umsätze konzentrieren sich auf die wenigen, seit langem auf dem Markt operierenden Großunternehmen.

Die Kund*innen erwarten aber auch in den auf Bio-Angebote spezialisierten Supermärkten die gleiche Atmosphäre wie im kleinen, lokalen Naturkostladen, insbesondere eine persönliche und fachkundige Bedienung. Von den Verkäufer*innen wird nicht nur Kompetenz und Freundlichkeit, sondern auch ständige Fortbildung erwartet, teils aus eigenen Mitteln finanziert, um alle neuen Trends in der Bio-Branche zu kennen. Diese Anforderungen an die Bio-Verkäufer*innen, welche für die Kund*innen das Gesicht und vertrauenswürdige Ansprechpartner der Branche sind, werden jedoch nicht entsprechend entlohnt. Die Bezahlung ist sogar oft schlechter als im konventionellen Einzelhandel. Eine stichpunktartige Umfrage der FAU Münsterland in den Bio-Märkten und Reformhäusern vor Ort ergab hier einen Durchschnittlslohn von 10 Euro pro Stunde. Hinzu kommen die auch in Teilen des restlichen Einzelhandels anzutreffenden kurzfristigen Schichtwechsel und die häufige Nicht-Einhaltung der gesetzlichen Pausen- und Ruhezeiten.

Die Menschen wünschen sich vom Bio-Markt vor allem Glaubwürdigkeit. Die Prekarisierung und Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen konterkarieren das landläufig mit der Bio-Branche verbundene Image von Nachhaltigkeit und Fairness – obgleich die Branche nur von diesem Image lebt. Es wird klar, dass „bio“ kein alternativer Trend mehr, sondern zu einem ganz normaler Markt geworden ist, in dem auch die persönlichen Vertrauensbeziehungen zwischen Angestellten und Kund*innen mitverkauft werden. Je billiger die Arbeitskräfte, desto höher die Wertschöpfung, desto mehr Gewinn lässt sich aus ihrer Arbeit heraus pressen.

Gemeinsam lässt sich etwas ändern

Am 20.01.2018 demonstrierten wieder tausende Menschen auf der Veranstaltung „Wir haben es satt!“ in Berlin gegen Ausbeutung und für Fairness in der Lebensmittelindustrie. Mit dabei waren nicht nur Konsument*innen und Umweltverbände mit einem ehrenwerten Anliegen, sondern auch Unternehmen aus einer Branche, deren Gewinne auf dem Rücken ihrer Angestellten erwirtschaftet werden. Wir möchten alle Kund*innen dieser Branche dazu auffordern, nicht nur genau hinzusehen, unter welchen Bedingungen die von ihnen erworbenen Produkte produziert, sondern auch unter welchen Bedingungen sie verkauft werden. Fragen sie die Verkäufer*innen ihres Vertrauens nach ihren Arbeitszeiten oder ob in ihrem Unternehmen eine Tarifbindung besteht. Gleichzeitig möchten wir die Beschäftigten dieses Sektors darauf hinweisen, dass sie weder mit ihrer Situation alleine stehen, noch dass diese unabänderbar ist. Gemeinsam ist es möglich sich gegen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen am Arbeitsplatz zu wehren. In einer Branche, in der persönliches Vertrauen so wichtig ist, können Kund*innen und Verkäufer*innen etwas bewegen. Nicht im fernen Berlin, sondern lokal vor Ort. Zusammen sind wir stärker!

27. Januar: „Rewind the Revolution“ – Chili ohne Chef / Film über Spanien / mit DJs durch die Nacht

Am Samstag, 27. Januar, präsentieren wir Euch ein reichhaltiges Abendprogramm in der Baracke:

Los geht um 19:00 Uhr mit Chili sin Jefe: Wie kann ein Abend besser beginnen als mit einem leckeren Essen? Natürlich vegan und gegen Spende.

Nach einer kurzen inhaltlichen Einführung zeigen wir um 20:00 Uhr den Film „memoria viva – Lebendige Erinnerung“ über 100 Jahre CNT in Spanien. Die bewegte Geschichte der größten anarchosyndikalistischen Gewerkschaft der Welt in Originalaufnahmen und Zeitzeugenberichten aus Zeiten der Illegalität in ihren Anfängen, der Hochphase der Spanien Revolution, Verfolgung, Widerstand und Exil unter Diktator Franco, und neuer Blüte in den 1970ern. Mehr Info

Ab 22.30 unterhalten Euch DJ Aggro N und das Neon Bone Tag Team mit Punk, Ska und Reggae. Das kann ja heiter werden!

Eintritt 2-5€ nach Selbsteinschätzung. Die Gewinne gehen an den FAU-Münsterland-Arbeitskampf-Fonds.

Zum Nachlesen und Nachhören: „Is there Power in the Union? Rudolf Rocker und kämpferische Gewerkschaften heute“

Is there Power in the Union?

Diese Frage stellte die FAU Münsterland in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Graswurzelrevolution am 25. November 2017 in der Aula der ESG. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand einer der bedeutendsten Theoretiker und Praktiker der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland, Rudolf Rocker.

Über sein Leben und seine ersten gewerkschaftspolitischen Aktivitäten hat uns Emmelie Öden, Autorin der Broschüre „Proletarisches Mainz“, erzählt. Die Teilnehmer*innen der Veranstaltung wurden mit auf eine virtuelle Stadtführung genommen, wobei sie Rockers Leben und Lehre, als auch die damalige Arbeiterbewegung und sein Wirken in seiner Heimatstadt vorstellt.

Rudolf Rocker? 

Der 1873 in Mainz geborene und 1958 verstorbene Gewerkschaftler ist vor allem als Theoretiker des Anarchosyndikalismus bekannt. In den 1920er Jahren, der Blütezeit dieser freiheitlich-sozialistischen Gewerkschaftsbewegung in Deutschland, publizierte Rocker regelmäßig in der Wochenzeitung „Der Syndikalist“ und war als Organisator in der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (FAUD) tätig.

Nicht zuletzt verfasste er die für die FAUD und die gesamte Bewegung grundlegende „Prinzipienerklärung des Syndikalismus“. 1937 erschien sein Hauptwerk „Nationalismus und Kultur“. Rocker war nicht nur ein talentierter Redner und Schriftsteller, sondern vor allem auch Beobachter und scharfer Kritiker des Kapitalismus und des Parlamentarismus, was ihn zum Befürworter der Selbstorganisierung der Arbeiter*innen im Kampf um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen machte.

Die FAUD (die Vorgängerin der heutigen FAU) hatte als basisdemokratischer Teil der Gewerkschaftsbewegung in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg zeitweise bis zu 180.000 Mitglieder. 1933 musste sie sich offiziell selbst auflösen und konnte nur noch im Untergrund aktiv sein. Seit 1977 ist die FAU (Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union) im Geist Rockers und des Anarchosyndikalismus wieder aktiv.

…und kämpferische Gewerkschaften heute?

Anschließend stellten Referenten der FAU Münsterland anhand aktueller Arbeitskämpfe dar, wie stark sich die Arbeitswelt und die Gewerkschaftsbewegung verändert haben. Die Präsentationen von Emmelie Öden und der FAU Münsterland haben eine lebhafte Diskussion über die Aktualität seines Ansatzes angeregt.

Der Charakter der Arbeit (Flexibilisierung und Prekarisierung) und neue Phänomene in der Arbeitswelt (Outsourcing, Arbeitsmigration, Minijobs, GIG-Economy) führen zu schlechteren Arbeitsbedingungen für einen beträchtlichen Teil der Beschäftigten. Die Arbeitskämpfe der FAU – wie die der rumänischen Arbeiter bei der „Mall of Berlin“, der studentischen Hilfskräfte an der Universität Jena und die aktuelle europaweite Foodora- und Deliveroo-Kampagne (DeliverUnion) – zeigen exemplarisch, dass wir eine kämpferische Gewerkschaftsbewegung auch heute dringend brauchen. In Branchen wie Gastronomie, Reinigung, Pflege und Bau sind Arbeitsrechtsverstöße in Form von Scheinselbständigkeit, Lohndumping, „kalten“ Kündigungen und Lohnklau an der Tagesordnung. Doch auch „ganz legal“ können Jobs hochprekär sein.

Die etablierten sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften zeigen oft nur begrenztes Interesse für diese Bereiche des Arbeitsmarkts. Selbstorganisierung als Gegenentwurf und die FAU als Alternative  können hier ein Weg sein. Auch wenn der anarchosyndikalistische Ansatz fast überall auf der Welt marginal ist, gibt es einige erfolgreiche Beispiele.

Nachlesen: Die Broschüre „Proletarisches Mainz“ ist bei Syndikat A und bei Fairdruckt (Alter Güterbahnhof) für 3€ erhältlich.

Nachhören: Am 15. Dezember im Bürgerfunk bei Antenne Münster: Am 26. November interviewten unsere Genossin und der Graswurzelrevolution-Redakteur Dr. Bernd Drücke die Autorin im Studio des medienforum münster e.V. (Technik: Klaus Blödow). Sendetermin: 15.12.2017, 20:04 Uhr, Bürgerfunk auf Antenne Münster (95,4 MHz.) und im Livestream auf www.antennemuenster.de Eine längere Fassung des Interviews erscheint voraussichtlich im Januar 2018 in der Graswurzelrevolution Nr. 425.

Kämpferische Gewerkschaften aufbauen!

Kommt Vorbei! Einladung zum FAU-Kennenlernabend – am 4. Dienstag im Monat

Die Freie Arbeiterinnen- und Arbeiter-Union ist ein Zusammenschluss von Basisgewerkschaften und -initiativen in über 30 Städten bundesweit. Wir wollen den herrschenden Ausbeutungsverhältnissen etwas entgegensetzen: Eine Gewerkschaftsbewegung, die nicht nur konkrete Verbesserungen für ihre Mitglieder erkämpfen kann, sondern auch gesamtgesellschaftlich wirkt: Gegen Diskriminierung und Unterdrückung jeglicher Art, für eine freiheitliche und gerechte Gesellschaft. Bei uns haben nicht Funktionär*innen das Sagen, sondern die aktiven Mitglieder an der Basis – im Betrieb, im Stadtteil, an der Uni…

Wenn Ihr das auch gut findet, kommt zu unseren Offenen Treffen am 4. Dienstag im Monat ab 21.00 Uhr im Hinterraum des Plan B am Hansaring! Nächste Termine: 22. August, 26. September, 24. Oktober, 28. November 2017.

Wir stellen die FAU in einer kurzen Präsentation vor und bieten danach reichlich Gelegenheit zur Diskussion.

„Der Arbeitskampf kennt keine Grenzen“ – Aufruf der FAU zum 1. Mai 2017

Wir rufen dazu auf, zum 1. Mai 2017 die Solidarität mit Migrant*innen in den Mittelpunkt zu stellen, die wie wir Arbeiter*innen sind, aber als migrantische Arbeiter*innen in besonderer Weise unter den gegenwärtigen politischen Verhältnissen leiden und kapitalistischer Ausbeutung ausgesetzt sind.

Wie in vielen anderen Städten wird sich die FAU an der Demonstration am 1. Mai in Münster beteiligen. Am 5. Mai feiern wir aber richtig: Mit Vortrag, Film und Konzert in der Baracke – zugunsten unseres Arbeitskampf-Solifonds. Doch nicht nur Arbeitsmigrant*innen brauchen unsere Solidarität!

Europaweit und darüber hinaus erstarken populistische Parteien und Bewegungen in einer Breite, wie wir es in den letzten Jahrzehnten nicht erlebt haben. Was macht diesen Populismus aus? Hinter der Ablehnung einiger Symbole der kapitalistischen Globalisierung, etwa von Freihandelsverträgen oder dem Euro, steckt ein Nationalismus, der die globalisierte kapitalistische Ausbeutung keineswegs in Frage stellt. Dieser Nationalismus spaltet was zusammengehört, und pfercht zugleich zu vermeintlichen Interessengemeinschaften zusammen, was in Wirklichkeit durch Klassengegensätze gespalten ist.

Solidarität gegen Rassismus und Ausbeutung!

Gerade Migrant*innen sind in besonderem Maße von Ausbeutung und Entrechtung betroffen. Durch die rassistische Migrationspolitik werden manche mit Arbeitsverboten belegt, manche auch mit Arbeitszwang. Andere haben keinerlei Aufenthaltspapiere und sind doch gezwungen, sich und ihre Familien durchzubringen. In illegalisierten Arbeitsverhältnissen können sie jedoch kaum ihre Rechte durchsetzen und sind der Willkür ihrer „Arbeitgeber“ ausgesetzt.

Doch auch wenn die Jobs „legal“ sind, sind sie oft prekär: In Branchen wie Gastronomie, Reinigung, Pflege und Bau sind Arbeitsrechtsverstöße in Form von Scheinselbständigkeit, Lohndumping, „kalten“ Kündigungen und Lohnklau an der Tagesordnung. Die etablierten sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaften zeigen jedoch nur begrenztes Interesse, (illegalisierte) Migrant*innen zu organisieren oder sie im Kampf um Bleiberecht und gegen rechtliche Hindernisse zu unterstützen. Vielmehr vertieft deren Fokus auf die Stammbelegschaften und Standortsicherung die sozialen Spaltungen, während sich die Spirale der Prekarisierung weiter dreht.

Dagegen hilft nur eins: Lassen wir uns nicht gegeneinander aufhetzen – als „einheimische“ gegen „ausländische“ Arbeiter*innen, als regulär Beschäftigte gegen prekär Beschäftigte, als ein „Standort“ gegen die anderen –, sondern suchen wir das Verbindende im Kampf um bessere Lebensbedingungen und für eine Welt ohne Ausbeutung und Herrschaft!

Migrant*innen brauchen kämpferische Gewerkschaften!

Gegen die neuen Mauern an den Grenzen und in den Köpfen müssen wir uns zusammenschließen, um Solidarität und gegenseitige Hilfe zu organisieren  – wie im Fall unserer Kollegen aus Rumänien, die auf der Baustelle desEinkaufszentrums Mall of Berlin unter skandalösen Arbeits- und Lebensbedingungen ausgebeutet, um Lohn betrogen und bedroht wurden: Die Organisierung in der FAU und der gemeinsame Arbeitskampf führten dazu, dass das Berliner Einkaufszentrum „Mall of Shame“ getauft und zum Symbol der migrantischen Ausbeutung in Deutschland wurde. So konnten wir das gesellschaftliche Klima der Hetze insbesondere gegen Arbeitsmigrant*innen aus Südosteuropa mit einem Beispiel von erfolgreichem Widerstand beantworten.

Auch in den gegenwärtigen Bestrebungen, geflüchtete Menschen für unterbezahlte Arbeit zu verpflichten, sehen wirein Zusammengehen von Ausgrenzung und Absenkung arbeitsrechtlicher Standards, das in der Konsequenz alle Arbeiter*innen negativ betrifft. Wir sollten hier als Arbeiter*innenklasse nicht nur für Bewegungsfreiheit aller Menschen, sondern auch gegen staatlich organisierte Ausbeutung kämpfen.

Wir Arbeiter*innen brauchen kämpferische Gewerkschaften!

In der internationalistischen Tradition des 1. Mai und des Anarchosyndikalismus rufen wir zur Solidarität mit migrantischen ArbeiterInnen auf. Protestieren und kämpfen wir gemeinsam gegen prekäre Arbeitsbedingungen, gegen kapitalistische Ausbeutung und gegen das rassistische Migrationsregime. Nur mit einer grenzüberschreitenden Gewerkschaftspraxis können wir uns gegen den Kapitalismus wehren. Zusammen werden wir Brücken bauen, wo andere Mauern errichten möchten!